Rhein-Zeitung 28.07.2016

    Frank Diederichs (von links) vom Abfallzweckverband Rhein-Mosel-Eifel, Tanja Stromberg, Referatsleiterin Naturschutz bei der Kreisverwaltung, und Biologe Jörg Hilgers, der für die "Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen Koblenz" tätig ist, kletterten auf den Michelsberg, um die aktuelle Situation der umgesiederlten Zauneidechsen zu sichten und zu bewerten.

    "Tiere mit Erfolg auf den Michelsberg umgesiedelt" - Eidechsen Experten widersprechen Gerücht

    Ochtendung. Wie ist es den Zauneidechsen ergangen, die von dem Gelände der Deponie Eiterköpfe in Ochtendung auf den Michelsberg umgesiedelt wurden? Sind sie tatsächlich ihren zahlreichen Feinden zum Opfer gefallen? Das Gerücht, alle dorthin gebrachten oder dort bereits lebenden Tiere seien von Rabenvögeln aufgefressen worden, hielt sich hartnäckig auf dem Maifeld. An dieser Behauptung ist jedoch nichts dran, betonen die für die Umsiedlung Verantwortlichen nun.

    Um den Sachverhalt zu klären, tragen sich im Rathaus von Ochtendung Ortsbürgermeisterin Rita Hirsch und VG-Bürgermeister Maximilian Mumm mit Frank Diederichs vom Abfallzweckverband Rhein-Mosel-Eifel, Tanja Stromberg, Referatsleiterin Naturschutz bei der Kreisverwaltung, und Biologe Jörg Hilgers, der für die "Stiftung für Natur und Umwelt im Landkreis Mayen Koblenz" mehrere Projekte zur Pflege der heimischen Kulturlandschaft betreut. Aufgekommen war das Thema unter anderem bei der Einweihung des neuen Logistikzentrums in der Nachbarschaft der Deponie Eiterköpfe. Denn wegen dieser Baumaßnahme mussten die im Deponiebereich lebenden Zauneidechsen auf den Michelsberg umgesiedelt werden.

    Jörg Hilgers verwies bei dem Treffen auf den Monitoringbericht vom November 2015 von Dr. Sigrid Lenz. In ihrem Fazit schreibt die Biologin, dass ein Großteil der Tiere den ersten Winter im neuen Lebensraum überstanden hat. Es habe eine erfolgreiche Reproduktion stattgefunden. Obwohl der Zielwert für den Bestand im ersten Jahr noch nicht erreicht werden kann, könne der Verlauf der Umsiedlung als erfolgsversprechend gewertet werden.

    Während regelmäßiger Bestandsaufnahmen werden die Zauneidechsen beobachtet. Diese werden bis 2019 durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet umfasst den gesamten waldfreien Südhang des Michelsbergs. Dazu gehören sowohl die Halbtrockenrasen im oberen Hangbereich als auch die unteren vor der Ansiedlung der Zauneidechsen gerodeten Areale. Zur Erfassung hat man die Flächen im vorigen Jahr an vier Terminen begangen und dabei nicht nur den Hang flächig abgesucht. Die Begehungen fanden im April, Mai, Juli und August statt. Dabei wurden auch Steine, Holz und Ridenstücke umgedreht. Alle Beobachtungspunkte wurden mit einem GPS-Gerät gemessen und die Zauneidechsen exakt erfasst.

    "Bei den Begehungen 2015 wurden etwa 30 bis 40 Tiere nachgewiesen", versichert Jörg Hilgers. Diese Anzahl ist nach wissenschaftlichen Methoden mindestens mit dem Faktor 5 zu multiplizieren, da die Tiere nicht alle gesehen werden. Trotz der Feinde wie Rabenkrähe, Saatkrähe und Mauswiesel habe ein Großteil den Winter überlebt. Einen großen Schwund bei den Tieren gebe es in den ersten Lebensjahren.

    Der Biologe ist angetan von der Flora und Fauna des Michelsbergs und schwärmt von einer ungeheuren Artenvielfalt auf engstem Raum. Und die zeigte der Biologe den Teilnehmern bei der Begehung des Michelsbergs und dem Gespräch im Rathaus. Es gehört schon ein geübtes Auge dazu, die Zauneidechsen in der Farbenvielfalt der Flora zu entdecken. Jörg Hilgers verwies mehrfach auf die von ihm gesichteten Tiere. Um den Lebensraum der Zauneidechsen zu erweitern, sollen die Flächen mit Halbtrockenrasen ausgedehnt werden. Die Komm-Aktiv werde jedes Jahr Teilbereiche freischneiden, hieß es. Auch eine Beweidung wird überlegt, doch erst sollen ein bis zwei Jahre abgewartet werden.

    Ortsbürgermeisterin Rita Hirsch hält die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung für wichtig. Deshalt wolle auch der Gemeinderat eine Begehung durchführen. "Wir haben eine Verantwortung für die Umwelt, es ist wichtig, sich vernünftig darum zu kümmern", sagte Bürgermeister Maximilian Mumm. Das, was naturschutzfachlich getan werde, werde mit der notwendigen Ernsthaftigkeit betriebe, betone der Verwaltungschef.

    "Vertrag für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen geschlossen"

    In einem städtbaulichen Vertrag hatte der Abfallzweckverband mit der Gemeinde Ochtendung die Aufstellung eines Bebauungsplanes als Voraussetzung für den Bau des Logistikzentrums geregelt. Darin hatte sich der Zweckverband verpflichtet, im Vertragsgebiet naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf eigene Kosten durchzuführen. Von den Naturschutzbehörden wurden für die geschützten Arten Nauneidechsen sowie Kreuz- und Wechselkröte die Notwendigkeit von funktionserhaltenden artenschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen gesehen. Danach war die Umsiedlung einer Zauneidechsenpopulation erforderlich. Die Zauneidechsen hat man auf eine Ausgleichsfläche umgesiedelt, die in einer Größe von circa 3,5 Hektar auf dem Michelsberg von der Gemeinde Ochtendung gepachtet worden war. Der Zweckverband hat sich verpflichtet, das "neue Zauneidechsenhabitat" bis zum 31. Dezember 2045, das heißt 30 Jahre lang, nach den Vorgaben der Naturschutzbehörde auf seine Kosten zu pfegen und zu erhalten.

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