Rhein-Zeitung 02.10.2017

    Was auf den Eiterköpfen täglich passiert und woher das überholte Drecksloch-Image stammt

    "Tonnenweise Müll - und jede Menge Arbeit"

    Die Mülldeponie Eiterköpfe in Ochtendung hat bei einigen Nachbarorten bis heute einen schlechten Ruf: Sie stinke, sei giftig und produziere durch die Lkw Lärm. Nun soll sie sogar um knapp die Hälfte erweitert werden; 37 Millionen Euro werden dort schrittweise investiert, um weitere 40 Jahre Abfall sammeln, umschlagen und lagern zu können. Die Pläne verunsichern - auch deshalb, weil vieles, was auf der Zentragldeponie mit ihrem alten "Drecksloch"-Image vor sich geht, gar nicht bekannt ist. Die RZ hat sich angeschaut, was auf den Eiterköpfen täglich los ist.

    Vom Aussichtspunkt auf dem Gelände wirkt die Deponie fast idyllisch: Lava- und Basalthänge, bewachsene Hügel, dazwischen Sandwege und Schotterflächen. Müllautos und Lkw fahren vor, laden ab oder nehmen Abfälle mit. Verantwortlich dafür, dass dort alles korrekt abläuft, ist Deponieleiter Bernd Winter. Der 57-Jährige steht dort oben, erläutert die Abläufe und fährt weiter übers Gelände.

    Sämtlicher Müll, der angeliefert wird, muss erst einmal an Elmar Denkel vorbei. Er ist einer von 15 Mitarbeitern, die auf dem Gelände arbeiten. Der 55-Jährige ist so etwas wie der Deponietürsteher: ein freundlicher Mann, raspelkurze Haare, Vollbart, Lesebrille und Schal. Er erfasst und wiegt jeden Lkw - und ist mit den meisten Fahrern per Du. Die Arbeit macht ihm Spaß, weil kein Moment dem anderen gleicht. Gerade rollt Frank Reuter vors Fenster. Elmar Denkel ruft: "Franky, Gude!" Schnell sind ein paar Worte getauscht und die beiden Abfallbegleitscheine bearbeitet. "Franky" hat zwei Container geladen: Krankenhausabfälle und Restmüll. Elmar Denkel tippt Kennzeichen, Gewicht, Erzeuger und Ladegut ein. Daumen hoch, "Franky" fährt aufs Gelände. Elmar Denkel funtk den Kollegen auf der Deponie an, dass gleich Krankenhausabfälle ankommen. Dann hält schon der nächste Brummi mit Fräsgut vor dem Fenster. "Morje".

    Ein Drittel des Mülls verlässt die Deponie wieder

    Im Schnitt dienen rund 150 Lkw täglich die Deponie an. Natürlich gibt es Zeiten, in denen es mehr, und Uhrzeiten, zu denen es weniger sind. So kommen im Jahr etwa 395 000 Tonnen Müll auf dem Gelände an, ein Drittel davon verlässt die Anlage aber wieder. An diesem Aufkommen soll sich nichts ändern, auch wenn die Anlage erweitert wird. Das bekräftigt Frank Diederichs, Geschäftsführer des Abfallzweckverbands Rhein-Mosel-Eifel. Denn die neuen Abschnitte werden nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach gefüllt, was auch die Lkw-Frequenz nicht steigen lasse.

    Der Abfallzweckverband (AZV) Rhein-Mosel-Eifel ist für sämtlichen Bio-, Rest- und Sperrmüll sowie für belastete minderalische Abfälle, etwa alten teerhaltigen Straßenbelag, aus den Kreisen Mayen-Koblenz und Cochem-Zell sowie aus Koblenz zuständig. Alles wird erst einmal zur Deponie gebracht. Auch Papier fürs MYK-Land. AZV-Geschäftsführer Diederichs ist es wichtig zu betonen, dass zwar sämtlicher Abfall angeliefert wird. "Aber jedes kleine Schippchen Restmüll, Biomüll und Sperrmüll verlässt die Deponie wieder". Nur mineralische Abfälle wie alter Bahngleisschotter oder Straßenreste bleiben dort.

    Das war früher anders. Bis zum Jahr 2005, als dies gestzlich untersagt wurde, wurde einfach alles dort gelagert - und schlummert bis heute abgedichtet in der Tiefe. Bis vor zwölf Jahren gab es wöchentlich Anrufe wegen Gestank, Müll- und Vogelflug - die Deponie war nach oben offen. Diederichs sagt, dass das "Drecksloch"-Image, das der Deponie noch heute von einigen zugeschrieben wird, von damals stammt. Seit 2005 darf Hausmüll in Deutschland aber gar nicht mehr deponiert, sondern muss verwertet werden. Diederichs betont: "Wir lagern hier seitdem ausschließlich mineralischen Abfälle" - Bauschutt und dergleichen. Keine einzige Beschwerde habe ihn seitdem aus der Nachbarschaft erreicht. Diederichs betont: "Von mineralischen Abfällen gehen keine Gefährdungen aus, keine Gase und keine Gerüche."

    Krankenhausabfälle müssen ganz schnell verschlossen werden

    Für den Maschinisten Willi Lehnert, der zwischen den Müllhaufen unten auf der Umschlagfläche arbeitet, spielt das alles keine Rolle. Ihm ist auch egal, welchen Müll er herumschiebt und verlädt. Gerade hat er vom Eingang die Info bekommen, dass Krankenhausabfälle aus dem Kreis Cochem-Zell, Spritzen und so etwas, angeliefert werden. Der 60-Jährige muss sich nun sofort darum kümmern - und ein anderer großer Lkw, den er mit Restmüll beladen sollte, muss warten. Der Krankenhausabfall kann infektiös sein. Wenn Vögel davon etwas aufpicken und eine infizierte Nadel über einem Spaziergänger fallen ließen, wäre das gefährlich. Deshalb nimmt Willi Lehnert jetzt mit der Radladerschaufel die blauen teils aufgeplatzten Säcke auf und kippt sie in einen grünen Container. Den verschließt er gleich mit einer Plane, sodass die Vögel bis zum Abtransport nicht an den Inhalt gelangen.

    Genau wie der Krankenhausabfall wird alles, was dort ankommt, wieder von großen Lkw abgeholt, die ein Vielfaches von normalen Müllwagen fassen. Diese bringen den Abfall zu Verbrennungs- und Vergärungsanlagen, die mit der Beseitigung Energie gewinnen. Ein Teil des Biomülls wird aber auch zu landwirtschaftlichem Dünger verarbeitet. Nur die belasteten mineralischen Abfälle bleiben dort. So liegen auf der Deponie beispielsweise Bodenabfälle aus Ediger-Eller (Kreis COC), wo vor wenigen Jahren der Kaiser-Wilhelm-Bahntunnel erweitert wurde, aber auch aus vielen Straßenaufbrücken oder Bahngleiserneuerungen aus Koblenz und dem MYK-Land. Der Gleisschotter ist verunreinigt und darf deshalb nicht ins Recycling. Er muss gelagert werden und füllt die Deponie.

    Wenn es so weitergeht, sagen Prognosen  des Abfallzweckverbandes (AZV), wäre die Deponie in fünf bis sieben Jahren voll. Eine andere Lagerstätte gibt es in der Großregion nicht. So entschieden der Zweckverband und die Kreise Mayen-Koblenz und Cochem-Zell sowie die Stadt Koblenz, den Standort zu erweitern. Das ist laut AZV zum einen langfristig günstiger, als den eigenen Abfall aus dem MYK-Land Hunderte Kilometer weit zu anderen Deponien zu fahren. Zum anderen sind auf den Eiterköpfen die Kapazitäten vorhanden - auch um den Müll anderer aufzunehmen, die dafür zahlen. Das wiederum trägt laut AZV dazu bei, die Müllgebühren der Bürger in der Region stabil zu halten.

    Zurück zum Assichtspunkt: Deponieleiter Bernd Winter zeigt von den Müllumschlagsflächen weiter nach links und erzählt, dass die Firma RPBL dort Basalt und Lava abbaut. Die Deponie wird genau um diese ausgebeuteten Gruben nach und nach erweitert. Dazu werden die Abschnitte meterdick nach unten und den Seiten abgedichtet. Ein System, das das Sickerwasser auffängt und aufgereitet, wird mitgebaut wie überall in der Deponie.

    Eigentlich sollte die Deponie noch Jahrzente Hausmüll aufnehmen

    Die Erweiterungsbereiche waren im Planfeststellungsbeschluss von 1986 dafür vorgesehen, mit Hausmüll gefüllt zu werden. Nun also mit Bauschutt und Schotter. Planmäßig werden die Eiterköpfe in rund 40 Jahren dicht sein. Bernd Winter ist überzeugt: "Dann werden Sie nach einigen Jahren nicht mehr sehen, dass das eine Deponie war." Die Rekultivierung schreitet mit jedem gefüllten Abschnitt voran.


    Wer transportiert den ganzen Abfall - wohin?

    Auf der Deponie Eiterköpfe im Abfallzweckverband Rhein-Mosel-Eifel (AZV) wird der Müll aus den Landkreisen Mayen-Koblenz und Cochem-Zell sowie aus der Stadt Koblenz umgeschlagen. Die mineralischen Abfälle werden hier gelagert.

    1 Wer fährt den ganzen Müll? Für den Kreis MYK sind Müllwagen des AZV unterwegs, die auf der Deponie stehen und von dort ausschwärmen, den Müll einsammeln und herbringen. Die Abfälle aus der Stadt Koblenz und aus dem Kreis COC werden von Müllautos des Kommunalen Servicebetriebs Koblenz abgeholt.

    2 Warum bringen die Müllautos die Abfälle zur Deponie und nicht direkt zu den Verwertungsanlagen? Deponieleiter Bernd Winter erzählt, dass ein Müllwagen rund acht Tonnen laden kann und drei Menschen auf ihm arbeiten. Ein großer Lkw der den Müll an der Deponie abholt und zur Verwertung bringt, fasst etwa 23 Tonnen - und wird von nur einer Person gefahren. Das sei deutlich effizienter.

    3 Wohin wird der Müll gefahren? Von der Deponie aus geht es in die Verwertungsanlagen: beispielsweise gibt es Verbrennungsanlagen in der Nähe von Aachen und im Westerwald, Papier wird zu Weig nach Mayen gefahren, aus Biomüll wird in der Region landwirtschaftlicher Dünger produziert oder er wird in Vergärungsanlagen gebracht. Bei der Verbrennung und Vergärung wird Energie gewonnen und Strom erzeugt.


    "Plaidter Rat fordert Landkreis zur Schließung der Deponie auf"

    SPD bringt Stellungnahme ein - CDU verweigert Zustimmung.

    Der Plaidter Ortgemeinderat hat mehrheitlich eine Stellungnahme gegen die geplante Erweiterung der Mülldeponie Eiterköpfe verabschiedet. Darin werden der Kreis Mayen-Koblenz sowie der Abfallzweckverband (AZV) aufgefordert, "die Planungen für die Abschnitte 7 und 8 einzustellen, die Deponie Eiterköpfe von 2020 an nicht weiter zu verfüllen und die Gruben der Natur zu überlassen". Formuliert wurde die Stellungnahme von der SPD im Rat, die dem Schreiben geschlossen zustimme, während die CDU-Mitglieder ihre Zustimmung verweigerten.

    In der Stellungnahme blickt die SPD zurück auf 30 Jahre Deponiegeschichte, in denen man oft mit den negativen Begleiterscheinungen der Hausmüllentsorgung konfroniert worden sei: "Die Anliegergemeinden Saffig, Plaidt und Ochtendung - vor allem die beiden ersteren - ertragen seitdem Belästigungen durch anangenehme Gerüche, herumfliegenden Müll und die Mülltransporte." Man habe in den Anliegergemeinden die Hoffnung auf ein baldiges Ende der LAufzeit der Deponie gehegt, die nun durch die Erweiterungspläne des AZV zunichtegemacht wurde.

    Die SPD kritisiert in ihrer Stellungnahme, dass der AZV eigens eine Tochtergesellschaft gründet, um auf dem Gelände der Deponie über seinen eigentlichen Auftrag hinaus gewerblich tätig werden zu können: "Das mag legal sein, ein schaler Geschmack bleibt." Des Weiteren warnten die Verfasser vor der möglichen Ablagerung von Schutt des AKW Mülheim-Kärlich und kreideten Kreisverwaltung und AZV ein weiteres Mal an, die betroffenen Anliegergemeinden nicht rechtzeitig über die Erweiterungspläne informiert zu haben.

    Auch die CDU-Mitglieder im Plaidter Rat sprachen sich dafür aus, dem Kreis zu signalisieren, dass man mit dessen Informationspolitik nicht einverstanden sei. Der Stellungnahme als Ganzes wolle man dennoch nicht zustimmen, erklärte Fraktionsvorsitzender Peter Wilkes: "Von unserer Seite aus wird das Verfahren ohnehin nicht aufzuhalten sein."

    Außerdem halte man es für überzogen, Angst vor der Ablagerung radioaktiver Abfälle zu schüren. Anstatt sich gegen die Erweiterungspläne zu stellen, wolle man seitens der CDU in Verhandlungen mit dem AZV darüber eintreten, wie sich die Geruchsbelästigung durch die bestehende Hausmülldeponie verringern lasse.

    Auch die SPD-Mitglieder rechnen im Übrigen nicht damit, mit der Stellungsnahme des Rats viel ausrichten zu können, erläuterte der Fraktionsvorsitzende Frank Neupert: "Es ist klar, dass wir die Erweiterung der Deponie nicht verhindertn können." Man vertrete als Rat aber schließlich die Interessen der Plaidter: "Es ist im Sinne der Plaidter Bürger, dass die Deponie so bald wie möglich schließt."

    Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier sieht ebenfalls nur wenig Spielraum, um als Gemeinde gegen die Erweiterungspläne vorgehen zu können: Die derzeitige Planfeststellung für die Deponie Eiterköpfe gelte nicht für den Abfall der Deponieklasse 2, der in den letzten beiden Abschnitten verfüllt werden soll. Dabei handelt es sich in erster Linie um Bauschutt. Fall die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord beschließe, dass für die Erweiterung ein neues Planfeststellungsverfahren vonnöten sei, könne man als Gemeinde Rechtsmittel gegen die Pläne einlegen.

    Ansonsten bleibe der Gemeinde - wie auch von der CDU vorgeschlagen - der Weg, vom AZV einen verbesserten Schutz der Anwohner vor den Emissionen der Hausmülldeponie einzufordern. Weitere Schritte würde man dabei gern im Schulterschluss mit der Nachbargemeinde Saffig in Angriff nehmen.

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